‘Wer gibt, dem wird gegeben’ (wenn wir das wirklich verstünden, dann sähe die Welt ganz anders aus)

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Heute möchte ich darüber schreiben, was es bedeutet, im Fluss von Geben und Nehmen zu sein – und wie das Eine ohne das Andere diesen Fluss blockiert. Im Hinduismus und im Buddhismus gibt es da ein schönes Konzept namens Dāna, Sanskrit für Geben. Dāna ist eine Praxis, ‘die uns daran erinnert, dass wir auf der Welt nichts auf Dauer besitzen. Alles ist uns nur für eine gewisse Zeit geliehen. Dāna bedeutet, dass man an den Dingen, die man besitzt, nicht hängen soll. Das kann man erreichen, wenn man mit anderen teilt und ab und zu etwas verschenkt. Das Schenken soll mit Freude geschehen und ohne etwas dafür zu erwarten.’ (Zitat aus ‘Der kleine Fakir Namu und der Fünffache Pfad’ von Birgitt Heigl, ein wirklich tolles Buch übrigens)

Dieses Konzept probiere ich gerade mit meinem Experiment, meine Arbeit für ein Jahr auf Spendenbasis anzubieten, aus (siehe hier für mehr zum Thema). Wir Ihr in vorigen Blogs lesen konntet, verläuft dieses Projekt recht gut. Alles ist im Fluss. Interessante Projekte, Gelegenheiten und Begegnungen sind an der Tagesordnung, und auch Geld ist genug da. Ich merke, dass, je mehr ich ohne Erwartungshaltung mache, was ich für sinnvoll halte, umso mehr kommt zu mir zurück – auf ganz unerwarteten und manchmal sogar seltsamen Wegen. Es ist, als sei ein Damm gebrochen.

Was ich allerdings beobachte, ist, dass das Wort ‘Spendenbasis’ viele Leute verwirrt. Manche glauben, Spendenbasis bedeutet ‘kostenlos’; einige Leute haben keine Ahnung, was sie geben ‘sollen’, möchten oder können. Im Schnitt habe ich gemerkt, dass Leute tendenziell eher weniger geben als mehr. Dies ist nicht der Fall bei regulären Yogastunden (bei diesen richten sich die Leute meist nach dem Preis der anderen Klassen), sondern eher bei Workshops oder anderen Veranstaltungen. Bei letzteren habe ich gemerkt, dass das Einkommen prozentual gesehen bis zu 40% unter dem gängigen Festpreis liegen kann. Was ich jetzt nicht schlimm finde – aber interessant eben. Es stellt sich mir dann die Frage: ist dies der Preis, den die Leute freiwillig zahlen möchten oder können? Hiesse das dann, dass wir generell zu viel für unsere Workshops verlangen, oder einfach, dass manche Leute sich für ärmer halten, als sie es in Wirklichkeit sind?

Es kommt eher selten vor, dass jemand freiwillig mehr gibt. Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen. 2009 machte ich zum ersten Mal einen Vipassana-Meditationskurs in England mit, der völlig von Spenden getragen wurde. Es handelte sich hierbei um einen 10-tägigen Kurs mit Unterkunft und Verpflegung. Am Ende des Kurse konnte man sich aussuchen, wieviel man spenden wollte. Es gab keinerlei Vorschläge oder Zwang, man sollte einfach geben, was man von Herzen geben konnte. Da mir der Kurs sehr viel gebracht hatte, gab ich £500 (etwa 575 Euro nach dem  heutigen Stand) und empfand es eigentlich noch als wenig. Als ich zu dem Büro ging, um diese Summe zu zahlen, starrte die Frau mich etwas seltsam an und fragte nach ‘You want to give £500!?’ (‘Du willst £500 geben?’) ‘Er, yes’, erwiderte ich und dachte innerlich, vielleicht ist sie entsetzt, weil es zu wenig ist? Sie sagte aber dann nichts weiter und nahm die Spende entgegen.

Einige Zeit später erzählte ich die Begebenheit einem Freund, der schon jahrelang in der Vipassana-Organisation arbeitet. Dieser machte fast das gleiche Gesicht wie die Frau damals und fragte mich, ‘You gave £500!?’ ‘Er, yes’, sagte ich wieder, und fragte ihn dann, ob das zu wenig gewesen sei. Er lachte und sagte, nein, im Schnitt würden die meisten Leute etwa £60 bis £70 für den gesamten Kurs geben. Dass einer £500 gäbe, würde so gut wie nie vorkommen. Jetzt war ich diejenige, die einen seltsamen Gesichtsausdruck bekam. Es verwunderte mich wirklich, denn wir sind hier im Westen und viele Leute, die zu Vipassana-Kursen gehen, arbeiten und leiden nicht zu sehr unter Armut.

Das soll jetzt nicht heissen, dass man notgedrungen viel Geld für spirituelle Seminare oder ähnliches ausgeben sollte und dass dieses Geben einen dann ‘spiritueller’ oder ‘besser’ macht (obwohl man dies in Indien auch glaubt). Aber man könnte eben auch bedenken, dass die Kurs-Organisatoren oft recht hohe Kosten und viel Arbeitsaufwand haben und auf die Spenden angewiesen sind, damit diese Veranstaltungen weiterhin laufen können.

Meines Empfindens nach hat dies oft einiges mit innerem Mangeldenken zu tun. Die äussere Fülle ist ein Spiegel unseres inneren Gefühls. Wenn wir innerlich glauben, dass wir zu wenig haben, dann spiegelt sich das auch im Äusseren (und in unserer Gebe-Bereitschaft) wieder. Albert Schweitzer sagte einmal, dass das Glück das einzige ist, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Dann kam Katja Sundermeier und sagte, nein, die Liebe sei das einzige, das sich verdoppele, wenn man es teilt. Meine Wenigkeit würde aber jetzt noch hinzufügen, dass alles, auch Geld, sich vervielfältigt, wenn man es teilt – denn auch das ist ein Aspekt von Karma und der logischen Wissenschaft des Universums.

Ich persönlich habe immer wieder die Erfahrung in meinem Leben gemacht, dass, je mehr ich gebe und teile, umso mehr kommt auf allen möglichen Wegen zu mir zurück. Besonders Geld. Wenn Ihr mir das jetzt nicht glauben solltet, dann probiert es doch einfach mal aus 🙂 Verschenkt Zeit, verschenkt Geld, verschenkt Sachen, verschenkt Liebe, Lächeln, Komplimente und Blumen, und schaut mal, was passiert.

Die Inder wissen das. Sie geben leidenschaftlich gerne – besonders an Priester, Sadhus und für wohltätige Zwecke. Ganz selbstlos ist das natürlich nicht, denn a) sieht man das Geben dort als Statussymbol und gibt damit sehr gerne an, und b) glaubt man, man könne so sein schlechtes Gewissen loswerden. In Gangotri zum Beispiel, ein wichtiger Pilgerort in Nordindien, leben die Sadhus (Wandermönche) wie die Mäuse im Speck, weil reiche, korrupte Geschäftsmänner da ganze Vermögen spenden, um sich so von der von ihnen viel geübten Korruption zu reinigen. Aber mal davon abgesehen kennt in Indien eigentlich jeder das Gesetz von Karma, das besagt: was immer Du aussendest, kommt irgendwann mal vervielfältigt zu Dir zurück. Tu Gutes, und Gutes wird auch Dir geschehen. Vielleicht nicht heute oder auch nicht morgen, aber irgendwann bestimmt.

Aber darum geht es letztendlich auch gar nicht. Es geht darum, einfach aus Freude und Liebe heraus zu geben – einfach so. Alles andere ist Nebeneffekt – wenn auch ein schöner! 😉

 

 

 

 

 

Vom Ich zum Wir: Yoga für alle

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Zurück zum Thema des Yoga auf Spendenbasis. Inzwischen ist es zwei Monate her, seitdem  ich mich entschieden habe, meine Arbeit ohne Festpreis bzw. auf Spendenbasis anzubieten (mehr zum Thema hier). Passend dazu schickte eine Freundin mir kürzlich den Link eines neuen Yogastudios in Offenbach, das genau das gleiche tut. Der Yogaladen Offenbach operiert nach dem Motto ‘Zahl, was du kannst’.

“Der Gedanke der uns zusammengebracht hat, war der, dass Yoga in Frankfurt mittlerweile eine schon fast elitäre Angelegenheit geworden ist.”, erzählte eine der Begründerinnen. Deswegen sollen beim Yogaladen in Offenbach Anfänger wie Fortgeschrittene willkommen sein –  zu variablen Preisen.

Ich finde es klasse, dass es immer mehr Leute gibt, die einen anderen Weg einschlagen und Dinge ausprobieren, die nicht in die vorgegebene Struktur passen. Dies zeugt von einer Veränderung im kollektiven Feld, von einer Bewegung vom Ich zum Wir. Und es zeigt, dass Leute darauf vertrauen, dass das Universum für uns sorgt, wenn wir unserem Herzen folgen.

Weiterhin landete ein spannendes Buch names ‘Mein Leben ohne Geld’ von Heidemarie Schwermer bei mir. 1996 entschied sich die Autorin, ihre Möbel zu verschenken, ihre Wohnung und ihre Praxis als Psychotherapeutin aufzugeben sowie ihre Krankenversicherung zu kündigen. Sie wohnte dann in Häusern und Wohnungen von Menschen, die auf Reisen waren, und ertauschte sich, was sie zum Leben brauchte, über den von ihr gegründeten Tauschring der Gib-und-Nimm-Zentrale in Dortmund. Das Buch beschreibt, wie sie Schritt für Schritt aus den bestehenden Strukturen ausgestiegen und in eine neue Freiheit hineingewachsen ist.

Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung mit dem Thema sagen, dass es wunderbar ist, was aus so einem Experiment alles entstehen kann. Wenn mein Fokus wirklich darauf liegt, was ich geben möchte, anstatt darauf, was ich haben will, dann bekommt alles eine andere Qualität. Was ich merke, ist, dass immer irgendwie genug da ist. Und dass, wie ich mir das schon gedacht habe, Geld aus ganz anderen, oft unverhofften Quellen zu mir fliesst – das heisst, nicht unbedingt von den Yoga-Schülern (aber auch). Wenn manche nicht viel geben können (oder wollen), gleicht es sich oft wieder dadurch aus, dass andere mehr geben, oder dass ich einen Auftrag bekomme, der mir viel bezahlt.

Diese Erfahrungen stärken mein Vertrauen und meine Hingabe ungemein. Ich übe, mich dem Leben hinzugeben, wie es ist, ohne ihm meine Konditionen aufzuzwingen. Zudem wächst dadurch in mir eine Bescheidenheit, die eigentlich noch nie meine Stärke war. In meinem früheren Leben aus Musikmanagerin war eigentlich immer ich die Person, die alles kontrollierte und die für ihre harte Verhandlungsweise bekannt war. Inzwischen lasse ich die meisten Dinge einfach fliessen und gewinne dadurch an innerer Freiheit und innerem Frieden. Ich lerne zu akzeptieren, was die Leute (und das Leben) mir freiwillig geben – und dass es immer genug ist.

Ist das immer einfach? Nein. Zweifel und Ängste kommen immer wieder mal hoch. Aber sie werden immer seltener. Manchmal ist es so, dass ich durch Workshops auf Spendenbasis durchaus weniger bekomme, als wie wenn ich einen Festpreis nehme. Aber dann frage ich mich gleichzeitig: wer bestimmt denn, was Yoga wert ist? Und ist dieser Wert nur finanziell messbar?

Dadurch, dass ich glaube, dass Yoga für alle Menschen erschwinglich sein sollte, und nicht nur für die, die sich Reisen nach Indien und exklusive Retreats leisten können, wächst auch ein anderes Verständnis in mir. Es gibt mir viel Freude, die Dankbarkeit von Menschen zu spüren, die in abgelegenen Dörfern wohnen, in denen es keine Yogastudios gibt. Oder die von älteren und kranken Menschen, deren Beschwerden sich durch Asanas und Meditation lindern. Ich glaube, genau an diese Orte haben mich meine Yoga-Jahre in Indien geführt, damit die heilende Wirkung der Praxis auch Menschen zuteil wird, die vielleicht noch nie etwas von Yoga gehört haben.

Geplant habe ich nichts von alledem, aber das ist ja nichts Neues 🙂

 

 

 

 

 

Wieviel gibt es eigentlich wirklich zu tun, und wieviel davon ist Illusion? Reflektionen über unsere Lebensaufgabe und die Kunst, auf unsere Seele zu hören

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‘Alle Menschen sind auf der Reise nach Selbstverwirklichung. Auf einer banaleren Ebene sind die Menschen von der Idee besessen, dass sie etwas Besonderes zu tun haben. Für die meisten Leute bedeutet das Tun, bzw. die Bewegung das Leben, und Stille den Tod. Zu leben bedeutet, sich zu bewegen und zu tun…. Wenn jedoch das Verständnis sich verändert und vertieft, dann realisieren wir, dass Stille das Potential ist, die Wiege, der Schoß, wo alles Eins ist, Eins – wo nichts in Isolation existiert.‘

(Swami Nityamuktananda Saraswati, aus ihrem Buch ‘Shree – A Woman’s Journey to the Centre’)

Neulich kam ich mit einer alten Freundin in Kontakt. Diese Freundin hat schon verschiedene interessante Leben geführt. Als ich sie einst im englischen Glastonbury kennenlernte, war sie, wie ich, Priesterin von Avalon, und zudem sehr involviert in der Welt des westlichen Tantra. Später schaffte sie sich eine Menge Schlangen an, darunter auch zwei riesige Anacondas aus dem Amazonas, die in ihrem Schlafzimmer lebten und mit einem Stock in Schach gehalten werden mussten, wenn man sie aus dem Gehege ließ. Und dann folgte die Ayahuasca-Phase, in der sie sich für acht Jahre mit Leib und Seele der psychotropischen Szene verschrieb und viele Retreats als Sängerin und genereller Superstar begleitete. Kein langweiliges Leben also.

Lange hatten wir keinen Kontakt, bis ich sie neulich mal anschrieb, um zu sehen, wie es ihr geht. Ihre Antwort erstaunte mich. Sie hat alle ihre Abenteuer hinter sich gelassen, um nun ein ruhiges Leben in einem kleinen Dorf zu führen, wo sie als Putzhilfe und Altenpflegerin arbeitet. Es sei eine große Umstellung, sagte sie, aber sie sei letztendlich vom Glamour und Ego der spirituellen Szene desillusioniert worden.

Ihre Aussagen fanden Resonanz in mir. Mal abgesehen davon, dass ich mich nach vielen Jahren abenteuerlichen Wanderns in der spirituellen Welt auch in ein kleines Dorf zurückgezogen habe und ein relativ einfaches Leben führe, fand ich, dass diese Freundin spirituell enorm gewachsen ist. Ich spürte jetzt eine Bescheidenheit, Klarheit und Einfachheit in ihr, die vorher nicht vorhanden waren. Und als sie ihre jetzige Beschäftigung in Frage stellte, sagte ich ihr, dass es von großer innerlicher Stärke zeugt, ein äußerlich aufregendes, glamouröses Leben gegen ein ruhiges, introspektives Leben einzutauschen. Sie steht jetzt in einem Dienst, anderen Menschen zu helfen, der vorher nicht so präsent war.

Generell ist es im materiellen Leben ja so, dass man Erfolge an Äußerlichkeiten wie viel Geld, Besitz, Status und Macht misst. In spirituellen Kreisen wird viel über den Life Purpose, die Lebensaufgabe, gesprochen. Und obwohl ich Verfechter der Theorie bin, dass jeder das machen sollte, was ihn oder sie erfreut und erfüllt, hat dieser Life Purpose doch oft sehr viel mit unserem Ego zu tun. Genauer gesagt: die Lebensaufgabe sollte möglichst spektakulär und aufregend sein, uns viel Geld, Ansehen und eventuell auch Ruhm bringen. Zumindest sollten wir ganz viele Menschen mit unserer Arbeit erreichen und vor allen Dingen sehr beschäftigt sein. Dann haben wir es geschafft.

Aber was wäre, wenn unsere wirkliche Lebensaufgabe etwas ganz Einfaches und Bescheidenes ist? Etwas, von dem keiner außer uns wüsste? Etwas, das innerlich stattfindet, wie zum Beispiel Beten, Meditieren, oder an unserem inneren Prozess zu arbeiten? Oder vielleicht einfach freundlich und mitfühlend mit allen Lebewesen zu sein?

Die Suche nach dem äußeren Erfolg erinnert mich manchmal an die Rückführungen in frühere Leben, in denen jeder Kleopatra oder Napoleon oder zumindest eine Hohepriesterin gewesen ist – aber keiner ein einfacher Bauer oder Handwerker 😉

Aber was ist denn Erfolg wirklich? Was macht Dich im Inneren wirklich glücklich und erfüllt, mal ganz abgesehen von Geld und Anerkennung? Was würdest Du tun, wenn Du finanziell abgesichert, alleine auf der Welt wärst und den ganzen Tag lang genau das tun könntest, was Du willst?

Wenn wir in uns gehen und eine Zeitlang in der Stille verweilen, hören wir oft die Antwort unserer Seele. Und die kann sehr überraschend sein. Aber unsere Konditionierungen und gesellschaftlicher Druck übertönen oft diese innere Stimme, die immer ganz genau weiß, was gut für uns und unseren Wachstum ist. Daher lohnt es sich, immer wieder in die Stille zurückzukehren, um die Verbindung mit unserer inneren Weisheit nicht zu verlieren.

Wenn wir uns daran erinnern, dass die ultimative Lebensaufgabe eines jeden Menschen ist, zum Ursprung der Quelle unseres Seins zurückzukehren, verlieren viele vermeintlich dringende Dinge ihre Wichtigkeit. Natürlich ist es wichtig, dass wir für uns und unsere Familie sorgen, aber wieviel brauchen wir denn wirklich? Was hat Priorität? Viel materieller Besitz, oder Zeit, um das zu machen, wonach Deine Seele sich wirklich sehnt? Um uns daran zu erinnern, wer wir sind? Das muss jeder für sich selbst beantworten.

Wir vergessen oft,  dass wir schon genug sind, so wie wir sind. Der innere Sklaventreiber, der uns so gerne im Nacken sitzt und uns ständig dazu animieren will, mehr zu tun, mehr zu erreichen und besser zu sein ist nichts anderes wie unser tiefer, unbewusster Glaubenssatz, ohne diese Dinge nicht liebenswert zu sein. Jedoch gibt es kaum eine größere Illusion als diese.

Wenn wir das Licht und die Liebe, die wir sind, endlich wieder erkennen, dann gibt es keine wichtigere Aufgabe mehr, als allen Wesen mit Mitgefühl zu begegnen und ihnen zu diesem inneren (und dadurch auch äusseren) Frieden zu verhelfen. Dies können wir zum Beispiel, wie meine Yoga-Lehrerin Judith Laster neulich in einem Workshop in London sagte, durch unsere Freundlichkeit, Präsenz, Geduld und unsere tief verwurzelte Dankbarkeit an die Welt tun.

 

 

 

 

 

 

Kann man spirituelles Erwachen bezahlen? Reflektionen über die Wertschätzung von (spiritueller) Arbeit und uns selbst

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In spirituellen Kreisen spricht man oft über Wertschätzung. Ein Satz, den ich immer wieder höre, ist, dass man für sich entscheiden solle, was einem die eigene Arbeit wert ist. Nach diesem Glaubenssatz richten viele spirituelle Heiler und Lehrer ihre Preise aus.

In gewissem Sinne ist dies ein interessantes und auch wichtiges Thema, denn mangelnde Wertschätzung führt in der Tat oft dazu, dass wir uns und den Wert unserer Arbeit unterschätzen. Das ist auch für mich gerade jetzt eine interessante Reflektion, da ich mich kürzlich entschieden habe, meine Arbeit für ein Jahr auf Spendenbasis anzubieten. (Mehr dazu hier).

Manche meiner Kollegen schauen mich zweifelnd und auch etwas mitleidig an, wenn ich ihnen von meinem Projekt erzähle. ‘Ja‘, kommt dann, ‘das habe ich früher auch mal probiert, aber inzwischen weiß ich, was mir meine Arbeit wert ist.‘

Was heißt das denn genau? Wie und unter welchen Kriterien schätzen wir unsere Arbeit und uns selbst wert?

Dazu möchte ich erzählen, was mich unter anderem dazu inspiriert hat, dieses Projekt zu starten. Ich hörte vor einiger Zeit von einem deutschen Heilpraktiker, der sich in den USA niedergelassen hat, Millionär (und Guru) wurde und nun anderen Menschen dazu verhilft, ihr Karma zu ‘verbrennen‘ und auch Millionär zu werden. Für seine Ratschläge nimmt dieser Mann 5000 USD die Stunde, und, da man nicht stundenweise, sondern nur wochenweise mit ihm arbeiten kann, 100.000 USD die Woche. Ich schaute mir kürzlich ein Webinar von einer Person an, die dem Mann diesen Preis gezahlt hat, jetzt auch Millionärin ist und anderen spirituellen Unternehmern zu ähnlichen finanziellen Erfolgen verhelfen möchte. ‘Es gab noch nie so viele Millionäre wie heute!‘, rief sie enthusiastisch aus. ‘Ihr könnt das auch!‘ (da das ja unbedingt Ziel unserer Arbeit ist ;-))

Ich fand das interessant. Was mich besonders interessierte, war, dass es tatsächlich Leute gibt, die diese Preise zahlen und die glauben, dass das Geld, das man für seine Leistungen verlangt, unbedingt mit deren Wert zu tun haben. In anderen Worten: wenn die Person so viel Geld verlangt, dann muss sie auch gut sein. Und wer weniger verlangt, ist eben nicht so gut, oder leidet an mangelndem Selbstwert.

Stimmt das?

Ich kann nur aus meiner eigenen, limitierten Erfahrung sprechen. Aber ich finde, spirituelle Arbeit kann man nicht bezahlen. Sie ist zu wertvoll. Die wertvollsten spirituellen Geschenke, die ich in meinem Leben erhalten habe, kommen von meinem Guru und anderen spirituellen Lehrern, und wurden mir aus völlig bedingungsloser Liebe gegeben. Diese Menschen tun ihre Arbeit nicht, um sich damit zu bereichern – sie tun diese Arbeit nur aus einem Grund: weil sie erwacht sind und diesen unbezahlbaren Reichtum an andere weitergeben möchten. Punkt. Sie haben die Ursache des Leidens sowie den Weg aus dem Leid heraus erkannt und fließen vor Liebe und Mitgefühl wahrlich über. Wie kann man so etwas bezahlen? Alles Geld der Welt wäre zu wenig für diesen Schatz.

Meines Erachtens nach stehen spirituelle Lehrer im Service des Universums. Sie sind generell bescheiden, leben einfach und machen nicht viel Aufheben um ihre Person. Man denke zum Beispiel an Jesus, den vielleicht größten spirituellen Lehrer überhaupt. Man stelle sich ihn in der heutigen Zeit vor. Hätte er eine Facebook-Seite, Instagram, ein Marketing-Team und würde er tausende von Euros für Seminare verlangen? Ich glaube es kaum. Damals zogen er und seine Jünger mit dem, was sie am Leib hatten, um die Welt und verkündeten die ‘frohe Botschaft‘. Sicher hatten sie auch Körper, die Hunger hatten oder froren, aber diese Notwendigkeiten (und mit Sicherheit mehr) wurden ihnen von den Menschen freiwillig gegeben.

Aber darum ging es ihnen gar nicht. Es ging ihnen darum, die Menschen aufzuwecken. Ähnlich war es bei Buddha, Ramana Maharshi, Sri Ramakrishna und anderen Meistern, und man sieht dieses Phänomen auch heute noch in Indien und in anderen asiatischen Ländern: große Meister, die ihr Leben mit spiritueller Praxis verbringen, anderen helfen und es gar nicht nötig haben, sich mit Marketing und Geld zu beschäftigen. Alles, was sie brauchen, kommt zu ihnen, und sie vertrauen darauf.

Wieso ist das im Westen oft so anders? Wieso sind wir, die materiell gesehen ja nun wirklich viel haben, von einem solchen Mangelbewusstsein geprägt? Wieso schätzen viele von uns nur die Dinge, die viel kosten, und wieso messen wir unseren Wert als Mensch (oder als Arbeitskraft) daran, wieviel wir verdienen? Ich frage mich zudem, ob das Bestehen auf äußerliche Wertschätzung durch Geld nicht auch eine Art Cover-Up für mangelnden Selbstwert ist. Fühlen wir uns innerlich wertlos, dann können wir das prima wegdrücken, indem wir viel Geld verdienen, Erfolg und Status aufbauen. Ich spreche aus Erfahrung 🙂 Das Tauschgeschäft macht unsere spirituelle Arbeit von Konditionen abhängig. Sie ist daher auch nicht mehr pur.

Wahre Freiheit bedeutet für mich aber, meinen Wert zu kennen, auch wenn die äußere Welt mir das nicht immer widerspiegelt. Dass ich meine Arbeit mache, weil ich sie für wertvoll (und sinnvoll) halte, und weil ich weiß, dass sie eigentlich unbezahlbar ist. Und wahre Freiheit heißt für mich auch, dass ich dem Universum bedingungslos vertraue, dass es mich unterstützt, wenn ich meinem Herzen und meiner Intuition folge.

Ich ende mit einem Zitat von Stefan Hiene, das ich sehr passend finde:

‘Es ist nicht dein Ziel, mit deiner Leidenschaft Geld zu verdienen. Es ist dein Ziel, deine Leidenschaft zu leben – unabhängig und bedingungslos.‘

Amen.

 

Was ist eigentlich Reichtum? Gedanken zu einem anderen Wertesystem

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Vor zwei Wochen ist mein neues Projekt, meine Arbeit für ein Jahr auf Spendenbasis anzubieten, enstanden (mehr dazu könnt Ihr hier nachlesen). Ich möchte mit diesem Projekt austesten, ob und wie eine andere Art der Ökonomie möglich ist, und dazu auch Denkanstöße und Diskussionspunkte anregen.

Die ersten beiden Woche liefen sehr gut. Es kamen viele positive Resonanzen von Kolleginnen, Schülern und Yogastudio-Besitzerinnen, die mir sofort anboten, mich zu unterstützen, indem sie mich die Raummiete auch per Spende bezahlen lassen. Genau so habe ich mir das vorgestellt – diese Art von Projekt kann nur funktionieren, wenn die weitere Community darauf eingeht.

Seitdem hatte ich zwei Veranstaltungen, bei denen ich den Teilnehmern von dieser Idee und meinen Beweggründen erzählte. Dies löste erstmal etwas Stutzen, Nachdenken,  aber auch Neugierde und sogar Begeisterung aus. Prozentuell gesehen spendeten die Teilnehmer nach der ersten Veranstaltung etwa 3.5 mal mehr als gewohnt; bei der zweiten Veranstaltung kamen ungefähr ein Drittel von dem zusammen, was ich bekommen hätte, wenn ich die Feuerzeremonie als Workshop angeboten hätte. Es hält sich bis jetzt also die Waage, und die Menschen müssen sich wohl erstmal an das Konzept gewöhnen.

Für mich hatte meine Entscheidung den schönen Seiteneffekt, dass ich alle Ängste und Bedenken, die sonst so mit dem Überleben zu tun haben, völlig abgeben konnte. Meine Arbeit fühlt sich jetzt wieder sehr leicht an, weil ich einfach darauf vertraue, dass ich den für mich richtigen Weg gehe und dass das Universum mich dabei unterstützen wird. Was ich auch bemerke, ist,  dass mir plötzlich Arbeit von allen möglichen Seiten angeboten wird, ohne dass die Leute wissen,  dass ich dieses Jahr auf Spendenbasis arbeite. Plötzlich melden sich Seminarhäuser, Yogastudios, Vereine und Privatpersonen, die mich buchen möchten. Und viele bieten mir von selber das an, was sie gerne zahlen möchten. Zudem hörte ich gestern von einer Yogalehrerin, die, inspiriert von meinem Projekt, jetzt das Gleiche in einem Seniorenheim anbietet.

Ich hatte diese Woche auch ein Gespräch mit einer Organisation, die neue Projekte in der Region fördert. Ich erzählte von meiner Idee, ein gemeinnütziges Zentrum für Yoga, Meditation und ganzheitliche Gesundheit zu gründen, und wurde informiert, dass solch ein Zentrum gut in das Konzept passen könnte. Ich werde mich also in den kommenden Monaten daran machen, zu visionieren, wie das in der Praxis aussehen könnte, und mich mit anderen Leuten zusammenschliessen, die ähnliche Ideen haben. Es ist ein wirklich interessanter Prozess. Ich bleibe gespannt.

Was mir bei der ganzen Sache hilft, ist immer wieder die Frage: was ist eigentlich Sinn der Sache? Wozu möchtest du deine Arbeit machen? Ist es, um deinen Lebensunterhalt zu verdienen? Nein (obwohl es natürlich schön ist, wenn das auch irgendwie passiert). Es geht mir darum,  den Menschen die Spiritualität näherzubringen. Und warum? Weil die Spiritualität der einzige Weg ist, den ich kenne, der uns aus der optischen Illusion, in der wir größtenteils leben, herausholen kann. Viele von uns leben in einem Leid, das eigentlich gar nicht existiert. Oder eher, es existiert, aber basiert auf einer Illusion. Und diese Illusion sorgt für immer mehr Leid, Konflikte und Unfrieden. Yoga, Meditation und andere spirituelle Praktiken sind sehr hilfreich, die Dinge so zu sehen,  wie sie eigentlich wirklich sind. Und zu diesem Erwachen etwas beizutragen, ist der Beweggrund für meine Arbeit.

Aber zurück zum Reichtum. Ich finde, dass sich das finanzielle System und die Art, wie wir Reichtum sehen, verändern müssen, wenn wir auf eine entspanntere und erfülltere Art leben möchten. Im Moment sind viele noch in ein System eingebunden, in dem man arbeiten muss – nicht, weil man es unbedingt möchte oder es für sinnvoll hält, sondern damit man Miete, Nebenkosten, Auto, Lebensmittel, etc etc zahlen kann. Viele sehen da erstmal keinen anderen Weg, und daher gibt es in den westlichen Ländern so viele gestresste Menschen, die sich grämen, weil sie keine Zeit für die erfreulichen Dinge im Leben haben und an Burn-Out leiden.

Es geht aber auch anders. Vor etwa 10 Jahren lebte ich in Leamington Spa in England, und wir hatten dort ein gänzlich alternatives Handelssystem namens LETS. Zahlreiche Menschen waren in dieses System eingebunden, das mit einer fiktiven Währung namens Oaks funktionierte. Letztendlich wurden Zeitstunden ausgetauscht. Wenn ich zum Beispiel einen Elektriker brauchte und dieser eine Stunde für seine Arbeit benötigte, wurde ihm diese Stunde durch besagte Oaks gutgeschrieben. Er konnte dann von mir, oder jeder beliebigen anderen  Person in diesem System eine Leistung beanspruchen. Dies funktionierte sehr gut – ohne Geld und mit dem schönen Nebeneffekt, dass sich eine starke und kreative Gemeinschaft zusammenschloss. Jeder half jedem.

Ein guter Freund von mir namens Rob war in diesem System sehr aktiv. Er war von Beruf eigentlich Krebs-Wissenschaftler, kehrte der Wissenschaft aber den Rücken, weil er in den Konzernen viele Dinge beobachtete, die für ihn keine Integrität hatten. So entschied er sich stattdessen, von zu Hause zu arbeiten und einen Grossteil seiner Zeit seiner Familie (er hat eine Frau und drei Kinder) sowie dem LETS-System zu widmen. Dies hiess zwar, dass er weniger Geld, dafür aber wesentlich mehr Zeit und Lebensqualität hatte. Er vertraute dem Universum – und hatte eigentlich immer das, was er brauchte.

Ich finde auch, wir sollten immer mehr überdenken,  was Reichtum ist und was uns denn wirklich glücklich macht. Sind es Geld und Konsumgüter, oder ist es Zeit? Freiheit? Freunde? Abenteuer? Sinnvolle Beschäftigung? Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich wahnsinnig viel Geld hatte, ein grosses Haus, meine eigene Firma, ein tolles Auto, Ansehen, Erfolg und alles, was man sich materiell so wünschen kann. War ich glücklich? Teils schon, aber rückblickend sehe ich, dass es ein oberflächliches Glück war, das auch darauf basierte, eine gewisse Leere in mir zu füllen.

Ich erinnere mich hauptsächlich daran, dass ich sehr wenig Zeit hatte, das zu tun,  was ich wirklich tun wollte: reisen und Abenteuer erleben. Deshalb gab ich das alles irgendwann auf und zog mit einem Rucksack in die Welt, und das war für mich eine sehr wertvolle Entscheidung. Nichts hat mich reicher und glücklicher gemacht als die vielen Begegnungen, Erfahrungen, Erkenntnisse, Kulturen und die Freiheit, die ich als Nomadin, die nur dem Ruf ihrer Seele folgte, hatte.

Das heisst jetzt nicht, dass jeder von uns diesen Weg gehen sollte. Jeder Weg ist individuell. Aber was wir uns alle fragen können, ist: Was macht mich wirklich reich? Was brauche ich, damit mein Herz singt? Und wie kann ich es umsetzen?

Wie Robert Rabbin, ein kürzlich verstorbener spiritueller Lehrer zu sagen pflegte:

‘Act creatively. Wave your magic wand in spite of conventional thinking and slim-to-no chance. A locked door? Slip through the keyhole.’  

‘Agiere mit Kreativität. Schwinge deinen Zauberstab ungeachtet von konventionellem Denken und geringen Chancen. Eine verschlossene Tür? Schlüpf durch das Schlüsselloch.’

Dem kann ich nichts mehr hinzufügen.

 

Yoga ohne Konsum – geht das?

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Seit etwa dreizehn Jahren habe ich einen Traum. Um diesen Traum umzusetzen, bin ich unter anderem nach Deutschland zurückgekehrt. Es handelt sich hierbei um ein kleines, spirituelles Zentrum in der Natur, in dem ich all das teilen kann, was ich in meinen Jahren in Indien (und an anderen Plätzen auf der Welt) gelernt habe.

Allerdings merkte ich schon seit längerem, dass mich irgend etwas blockierte. Obwohl ich eigentlich eine sehr umsetzungsfähige Person bin, und schon viele meiner Träume erfüllen konnte, kam ich bei diesem Projekt nicht wirklich weiter. Und ich wusste auch, dass es nicht daran lag, einen Business Plan zu erstellen oder die geeigneten Immobilien zu finden. Es war etwas anderes, etwas innerliches, das mich daran hinderte, in Aktion zu gehen.

Und so liess ich das Thema erstmal in mir ruhen und wartete darauf, dass sich die Antwort irgendwann zeigen würde. Und das tat sie. Mir wurde auf einmal mit grosser Gewissheit klar, dass ich aus meinem Herzensprojekt kein Business machen möchte. Ich habe schon einmal, vor über zwanzig Jahren, meine Leidenschaft (die Musik) zu einem Geschäft (einem Plattenlabel) gemacht. Anfangs war es toll und aufregend, aber mit der Zeit, als ich nur noch in Verträgen, Rechnungen und anderem Papierkram feststeckte, erstickte es mir meine Freude an der Arbeit und letztendlich auch der Musik.

Und genau das habe ich auch immer wieder bei Freunden und Bekannten beobachten können, die Ashrams oder Seminarhäuser leiten. Anfangs ist da viel Enthusiasmus und Idealismus, aber irgendwann erleiden fast alle einen Burnout. Denn es muss, wie bei jedem anderen Business auch, darauf geachtet werden, dass genug Geld in die Kasse kommt, dass die Zimmer immer belegt sind, dass genug Kurse stattfinden, dass die Bürokratie erledigt wird, und so weiter.

Das will ich definitiv nicht, und genau deswegen konnte ich so lange nicht in Aktion gehen. Was mir eigentlich vorschwebt, ist ein gemeinnütziges Zentrum, das auf Spendenbasis funktioniert. Ein Zentrum, das durch andere (z.B. private) Gelder oder Methoden finanziert wird, und das daher ‘pur’ und auch für die Leiter entspannt bleibt.

Daher kam mir der Impuls: kann ich es anders machen? Kann ich aus dem konventionellen Denken aussteigen, das fast immer ein Geschäftsmodell ist, und etwas erschaffen, das meiner Vision entspricht?

Ich denke, dass es geht. Die Vipassana-Zentren, die auf der ganzen Welt ausschliesslich auf Spendenbasis funktionieren, sind ein gutes Beispiel dafür, sowie der Homa-Hof in Heiligenberg, oder der Rikhiapeeth-Ashram der Bihar School of Yoga in Indien.

Wieso auf Spendenbasis?

Mein Gedankengang ist dabei folgender:

  1. Yoga hatte ursprünglich nie etwas mit Geld verdienen oder Geschäften zu tun. Yoga entstand, um den Menschen zur Erleuchtung (oder zumindest dem inneren Frieden) zu verhelfen, und um sie von Anhaftungen zu erlösen. Dazu gehörte auch die Anhaftung an Wohlstand, Geld, oder andere Umstände im Leben. Das heisst nicht, dass man laut Yoga in Armut leben sollte. Aber wenn ich aus dem umfangenden System, das Yoga ist, einen kleinen Teil herausziehe und diesen Teil dann verkaufe, wiederspricht es eigentlich dem, für das Yoga steht.
  2. In Indien, dem Ursprungsland des Yoga, besteht seit langer Zeit das Dakshina-System. Dakshina heisst so viel wie Gabe oder Geschenk, und es ist dort Tradition, dem Guru (oder spirituellen Lehrer) für seine/ihre Lehren sowie die Unterkunft im Ashram Dakshina zu geben. Jeder gibt, was er/sie kann und möchte. Generell wird es in Indien so gesehen, dass es gutes Karma bringt, Dakshina zu geben. Viele Heiler und Lehrer in Asien leben auch nach diesem System. Wenn wir also manche Teile der indischen Kultur übernehmen, wieso dann nicht die anderen?
  3. Wenn ich der indischen Yoga-Tradition wirklich folge, dann kenne ich die Philosophie des Karmas. Ich glaube, dass dem, der gibt, gegeben wird. Je mehr ich also gebe, umso mehr wird mir logischerweise gegeben. Es kann zwar sein, dass dieses Geben nicht unbedingt von den Menschen kommt, die in mein Zentrum kommen. Aber irgendwann wird es nach dieser Philosophie definitiv stattfinden. Glauben wir das wirklich, oder ist es nur ein schönes Konzept, das wir unseren Schülern erzählen?
  4. Unsere Ökonomie basiert stark auf Angst und Misstrauen. Wieso misstrauen wir uns gegenseitig eigentlich so sehr? Können wir dieses System umstellen auf eines, das aus Vertrauen, Respekt und Liebe besteht? Und wenn ja, wie könnte das gehen?
  5. Eigentlich möchten viele Menschen aus dem finanziellen Druck, in dem sie stecken, heraus. Viele Menschen würden gerne weniger arbeiten und mehr Zeit für sich, ihre Familie und gemeinnützige Projekte haben. Für dieses Ziel müssen wir umdenken und eventuell auch das Konzept des Reichtums anders definieren. Viele Projekte, wie z.B. Pioneers of Change oder die bedingungsloses Grundeinkommen-Idee, beschäftigen sich mit diesem Thema.

Die gleichen Themen sind auch in meiner Arbeit präsent, in der ich meine Erfahrungen in Yoga, Meditation und spirituellen Praktiken teile. Für einige Zeit wurde auch ich in das Konsumdenken des Westens hineingezogen und dachte, dass man das hier eben so macht: man verkauft seine Fähigkeiten. Aber ich merkte schnell, dass mir dies die Leichtigkeit und Freude an der Arbeit raubte.

Daher kam ich auf folgende Idee. Ich möchte meine Theorie austesten. Lässt sich die Daskhina-Theorie auch im Westen leben? Kann ich, will ich dem Universum und dem Gesetz des Karmas wirklich vertrauen? Möchte ich Impulse setzen und Wege öffnen für eine neue Ökonomie, die auf Liebe und Vertrauen basiert? Kann das gutgehen in einem Land, in dem man für Regenwasser bezahlen muss und in dem viele Menschen nur das wertschätzen, für das sie viel zahlen?

Die Antwort ist für mich ein lautstarkes Ja. Ich möchte das ausprobieren.

Daher werde ich ein Jahr lang meine gesamte Arbeit auf Spendenbasis anbieten. Das beinhaltet Yoga- und Meditationskurse, Feuerzeremonien, Yogic Lifestyle-Coaching und Retreats. Jedem  ist freigestellt, das zu geben, was er/sie kann oder will und was ihm/ihr die Arbeit wert ist. Ich werde über dieses Experiment einen Blog führen und meine Erfahrungen darin teilen.

Ich bin sehr gespannt auf dieses Projekt und das, was es alles mit sich bringen wird. Ich freue mich auch auf Eure Rückmeldungen und Anregungen, besonders, wenn Ihr auch im Feld des Yoga und der Heilung arbeitet.

Wie schon unser indischer Held Mahatma Gandhi einst sagte:

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. 

 

Wie das kollektive Feld uns beeinflusst (und wie wir trotzdem zentriert bleiben können)

gurukulam

Eine Sache, die mir immer wieder auffällt, seit ich nach Deutschland zurückgekehrt bin, ist die Kraft des morphogenetischen Felds. Bei diesem Feld handelt es sich um eine Art allumfassendes Bewusstseinsfeld, aus dem umfangreiche Informationen aufgenommen werden können, und das uns daher auch beeinflusst. In Indien zum Beispiel ist das spirituelle Feld sehr stark, weil sich dort unzählige Menschen seit tausenden von Jahren mit intensiven, spirituellen Praktiken beschäftigen. Dies hat wiederum eine sehr fördernde Wirkung auf spirituelle Schüler, die aus genau diesem Grund immer wieder nach Indien reisen, um sich mit dieser Energie ‘aufzuladen’.

Wie schon in anderen Artikeln erwähnt, spüre ich in Deutschland immer wieder, wie  stark das Kriegstrauma oder auch die Hexenverbrennungen im Mittelalter noch im hiesigen Feld verwurzelt sind und die Menschen unbewusst beeinflussen. Diese Verbundenheit mit dem Feld ist an sich nichts Schlechtes, denn wir müssen als Lebewesen natürlich auf unsere Umwelt reagieren können – aber es ist auch gut, wenn wir uns darüber bewusst werden und verstehen, ob diese Verbundenheit uns fördert oder schadet.

Was mir hier nun nach meinen Jahren in Indien besonders auffällt, ist  der spirituelle Konsum. Im Westen wird Spiritualität zum grossen Teil als Ware vermarktet und verkauft, und es ist schwierig, als Yogalehrerin nicht in diese Falle zu tappen. Wo man auch hinsieht, herrscht ein Überfluss an Seminaren, Workshops, Kursen, Ausbildungen, Coachings und Heilungen. Der spirituelle Markt ist riesig. An sich ist da nicht Schlimmes dran – es ist ja eigentlich gut, dass immer mehr Menschen aufwachen und bewusst werden. Es wird allerdings schlimm, wenn diese Sachen nur – wie vieles andere auch – konsumiert werden, und wenn der Broterwerb durch die Spiritualität die Hauptmotivation ist, bzw wenn man mit der Spiritualität Geld verdienen muss. Dann werden vielleicht viele Dinge gemacht oder gar erfunden, die gar nicht nötig wären und/oder keine Integrität haben. Brenzlig wird es auch, wenn die spirituelle Arbeit dazu dient, uns selbst in Szene zu setzen.

Selbst in Indien wird diese Konsum-Mentalität immer stärker, obwohl man da auch wirklich noch viele spirituelle Lehrer findet, die zurückgezogen leben, ihre Praktiken machen und ihre Weisheit aus freiem Herzen mit anderen teilen – egal, ob sie dafür entlohnt werden oder nicht.

Ich denke, diese Mentalität hat viel mit Angst vor Mangel zu tun, und letztendlich mit mangelndem Vertrauen in das Leben. Das ist eigentlich auch menschlich und verständlich. Aber gerade in der spirituellen Praxis geht es ja genau um das Vertrauen in das Universum und die Hingabe an das, was ist. Ist es nicht eins der spirituellen Gesetze, dass man zurückbekommt, was man austeilt,  ob man es nun einfordert oder nicht?

Wer mich in dieser Hinsicht sehr inspiriert, sind die Lehrer der Himalayan Tradition. Dort ist es generell so, dass Geld für Kosten, wie z.B. Raummiete, Unterkunft, Mahlzeiten, genommen, aber das spirituelle Wissen auf Spendenbasis vermittelt wird. So wird niemand ausgeschlossen,  nur weil er kein Geld hat. Einige spirituelle Lehrer, so z.B. Jim Tolles, arbeiten auch auf ‘suggested donation basis’ (eine Art Richtpreis, der aber nicht bindend ist), oder sogar gänzlich auf Spendenbasis. Ich denke, da gibt es viele kreative Wege, um materielle Bedürfnisse mit spirituellen Lehren zu verbinden.

Dies ist auch das Konzept des Karma Yoga, das Yoga des ‘selbstlosen Dienens’, das Krishna in der Bhagavad Gita beschreibt. Meines Empfinden nach geht es hierbei einfach darum, das zu tun, was wir tun ‘müssen’ – ohne dafür etwas zu erwarten. Wenn es sein soll, wird sich der Erfolg oder der Reichtum (wie man ihn auch auslegen mag), schon von selbst einstellen, ohne, dass man grosse Marketingstrategien anwenden muss. Es geht einfach um das Handeln, und nicht um das Resultat. Dies ist vielleicht kein einfacher Weg in einem Land, in dem viele von uns in einem engen finanziellen Korsett stecken, aber ich finde, man kann dabei ein Gleichgewicht finden.

Dass das morphogenetische Feld uns auch hier beeinflusst, merke ich an der Gegenbewegung – dass immer mehr Leute aus dem Konsumwahnsinn aussteigen und ein einfacheres Leben wählen. Und ich glaube, das ist genau der Punkt: wenn wir uns darüber bewusst werden, was uns motiviert und ob es wirklich unsere Ängste sind, oder einfach die kollektiven Ängste im weiteren Feld – dann können wir das auch ändern und bewusst einen anderen Weg wählen.