Kann man die Freiheit in der Ferne finden?

 

Hallo, ich bin Srila Devi. Ich bin 25 Jahre lang um die Welt gereist und habe ein oft sehr abenteuerliches, freies Leben geführt. Fünfzehn Jahre habe ich in England verbracht, wo ich unter anderem Redakteurin einer Zeitschrift in London war, ein Plattenlabel leitete, Psychologie studierte, eine Ausbildung zur heidnischen Priesterin machte und in Männergefängnissen Rituale leitete. Aber trotz meines interessanten Lebens packten das Fernweh und die Abenteuerlust mich immer wieder. So beschloss ich im Jahre 2007, all mein Hab und Gut loszulassen, um ganz frei durch die Welt zu ziehen.

Meine erste Reise dauerte neun Monate lang und führte mich auf dem Landweg durch Osteuropa, Russland, die Mongolei, China, Tibet, Nepal und Pakistan. Schließlich landete ich in Indien, wo ich mehrere Monate verbrachte und die indische Spiritualität entdeckte. Über diesen Teil der Reise führte ich damals einen englischen Blog namens Travelling Priestess und veröffentlichte ein Buch namens ‘Meeting Shiva – Mein Weg von der Liebe ins Erwachen‘, das bei Neue Erde 2015 erschien.

Danach begann ich langsamer zu reisen und lebte für jeweils ein Jahr in New Mexico/USA und Australien, um dann für vier Jahre nach Indien zurückzukehren. Ich verbrachte diese Zeit hauptsächlich in den Himalayas, um mich in Yoga und Meditation zu vertiefen. Letztes Jahr zog ich noch einmal für sieben Monate durch die USA, Hawai’i und Kanada. Insgesamt dauerte mein Nomadenleben zehn Jahre lang. Es war eine wunderschöne, aufregende Zeit mit vielen Abenteuern, Begegnungen und Entdeckungen.

Doch langsam packte mich das Bedürfnis, wieder sesshaft zu werden. Ich war müde. Irgendwann hatte ich genug von so viel Aufregung und Veränderung. Gerade im letzten Jahr war ich bestimmt fünfzig Mal umgezogen. Die ständige Packerei ging mir auf die Nerven. Ich wollte ein Zuhause. Dachte ich. Doch so einfach war das nicht. So ein abwechslungsreicher Lebensstil in verschiedenen Kulturen kann süchtig machen. Geht das überhaupt, sich dann noch niederzulassen? Hält man das aus? Und wo geht man hin, wenn man so viele Zuhause und Freunde auf der ganzen Welt hat?

Für mich war seit Jahren die größte Frage, wo ich mich denn überhaupt niederlassen soll oder kann. Von Indien, so schön es dort auch ist, hatte ich irgendwann genug. England war passe, in Kanada schneit es das halbe Jahr lang, für Hawai’i hatte ich kein Visum. Und ich sehnte mich nach etwas Gewohntem. Einer Kultur, die ich kannte und in der ich nicht dreimal am Tag gefragt werde, wo ich herkomme. Ein Platz, an dem man mich kennt und an dem ich trotzdem Ruhe finden kann.

Also traf ich eine recht extreme Entscheidung. Ich kehrte nach Deutschland zurück. Ein Land, das ich vor 25 Jahren verlassen hatte, weil es mir zu spießig war und weil es dort zu viele Regeln und Verbote gab. Aber irgendwie fühlte es sich richtig an. Hier waren meine Wurzeln, meine Familie, und vielleicht waren hier auch genau die Dinge, die ich mir nochmal ansehen musste. Somit verbrachte ich Anfang dieses Jahr noch einmal drei Monate in Indien, um zu bestätigen, dass ich wirklich genug hatte vom Lärm, der Luftverschmutzung und der Hitze, und kehrte im Mai nach Deutschland zurück. Ich kam für einige Monate in der Kellerwohnung meiner Eltern unter, während ich auf Wohnungssuche war, flüchtete zwischendurch für ein paar Wochen nach England, durchlebte viele Widerstände und Zweifel, und zog letzten Endes in eine schöne, gemütliche Wohnung in einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz.

Was passiert, wenn man nach einem so freien, abenteuerlustigen Leben, in dem man oft nicht weiß, wo man am nächsten Tag schlafen wird, auf einmal wieder sesshaft wird? Und zwar sesshaft nicht nur im früheren Heimatland, sondern in den Dörfern, in denen man aufgewachsen ist, und in denen viele Menschen nicht die Gelegenheit oder das Interesse hatten, weit zu reisen? Welche Schwierigkeiten gibt es zu überwinden? Wie wird man mit dem Kulturschock fertig? Kann das überhaupt gutgehen?

All das finde ich selber noch heraus und möchte diese Erfahrungen mit Euch in meinem Blog teilen.

Ich wünsche Euch viel Freude beim Lesen und freue mich über Eure Rückmeldungen!

Srila Devi

8 thoughts on “Kann man die Freiheit in der Ferne finden?

  1. I hear what you are saying about the tiredness. As a nomad sister for the past 15 years, I too have gotten tired, and have slowed down. Now just moving between the same three heart and soul places a year, in two countries. Somehow at this moment, this is what feels simple, right, and true. Blessings on the journey of routing! Look forward to hearing more. LOVE.

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    1. Thank you for reading and commenting! I hope the translation is readable! 🙂 Yes, I hear you. For me, even two places had become too much. At least this is what is true at the moment. Let us see how it unfolds. Love back to you xxx

      Liked by 1 person

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