War ich die letzten Jahre auf dem Mond? Praktische Herausforderungen nach einem langem Auslandsaufenthalt

mond

Wenn Du nach vielen Jahren Reisen in Asien wieder in den Westen zurückkehrst, dann kann es teilweise schon komische Aspekte haben. Anfangs kam es mir manchmal so vor, als hätte ich die letzten zehn Jahre auf dem Mond verbracht. Ich wusste nicht mehr, wie die einfachsten Dinge in Deutschland gemacht werden.

Zum Beispiel: Was ist eine EC-Karte? Wie eröffne ich ein deutsches Bankkonto oder beantrage eine Kreditkarte in einem Land, in dem ich gar nicht mehr existiere? Wie kaufe ich ein Auto, wie versichere ich es und wie kann ich den deutschen Bürokraten verständlich machen, dass ich schon seit 25 Jahren im Ausland Auto fahre? (Antwort: gar nicht, wenn keine Versicherungsbelege da sind. Mietautos zählen nicht. Ich wurde wieder als Fahranfänger eingestuft.) Wie funktioniert das mit der Krankenversicherung und der Steuer? Wie und wo arbeite ich? Wie kann ich eine Wohnung mieten, wenn ich keine Schufa-Auskunft und keine Referenzen von deutschen Vermietern habe? Wie, die deutsche Rechtschreibung hat sich seit meiner Schulzeit geändert?!

All diese Dinge mögen den Sesshaften selbstverständlich erscheinen. Aber nach einem langen Auslandsaufenthalt können solche Selbstverständlichkeiten ganz schön verwirrend und auch schwierig zu lösen sein – gerade in einem Land wie Deutschland, das nun wirklich sehr bürokratisch ist. Ich hatte Glück, dass ich noch einige Familienmitglieder und Freunde hier hatte, die mir helfen konnten. Zudem hatte ich noch größeres Glück, über eine Bekannte einen netten Vermieter zu finden, dem es egal war, ob ich Referenzen oder Scheine vorweisen konnte. Und als Selbstständige brauche ich glücklicherweise niemandem zu erklären, warum ich mehrere Jahre in der Welt herumgereist bin und warum Meditation und die Erkenntnis der Wahrheit mir wichtiger sind als ein Bürojob.

Es kann auch schwierig sein, Dich wieder in eine bürgerliche, leistungsorientierte Gesellschaft einzugliedern, wenn Du ein freies. fließendes Leben in sonnigen Gefilden gewohnt bist. Daher ist es gut, erstmal bei Freunden oder Familie unterzukommen, und Unterstützung von anderen Ex-Nomaden zu suchen, die diese Umstellung schon hinter sich haben. Und, nur weil Du deine Umgebung gewechselt hast, heißt das ja lange noch nicht, dass Du auch Deinen Lebensstil ändern musst. Du kannst die Freiheit und das langsame Leben in den Westen integrieren, auch wenn die meisten Menschen um Dich herum etwas anderes zu tun scheinen.

Mir fiel in der Tat auf, wie viel die Leute in Deutschland arbeiten. Viele Menschen sind permanent gestresst und befinden sich am Rande des Burn-Outs. Daher gibt es hier auch so viele Arbeitsmöglichkeiten für Yogalehrer, Meditationsleiter und Achtsamkeitstrainer 🙂 Auf der anderen Seite gibt es auch Magazine wie Flow und Happinez, die sich mit den Themen der Entschleunigung und den kleinen, schönen Dingen des Lebens beschäftigen und immer mehr Anklang bei der Bevölkerung finden.

Es ist meines Erachtens nach wichtig, dass wir Kulturen und Lebensstile miteinander integrieren und eine Mitte finden zwischen Tun und Sein, schnell und langsam, Materie und Spiritualität, Ost und West. Und das kannst Du sehr gut tun und auch mit anderen Menschen teilen, wenn Du in verschiedenen Kulturen gelebt hast. Plötzlich gibt es kein ‘richtig‘ und ‚falsch‘ mehr, nur noch ‘anders‘. Und genau das ist das Schöne am Reisen und am Heimkommen.

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