Wie frei sind unsere Entscheidungen wirklich? Was das Wurzelchakra mit dem Reisen zu tun hat

root chakra

Heute morgen las ich ein interessantes Statement. Es ging um das Mooladhara Chakra, das Wurzelchakra, das unsere Verbindung mit dem physischen Körper und den Energien der Erde darstellt. ‘Als Basischakra’, hiess es dort, ‘bestimmt es unsere Einstellung zum Leben. Gut geerdet und ausgeglichen, lässt es uns geduldig, hoffnungsvoll und erfinderisch sein.‘ Was mich an dieser Beschreibung, die ich im Yogakalender 2018 las, ansprach, war dieses eine Statement: ‘Es bestimmt unsere Einstellung zum Leben.‘ Wow.

Wenn also unsere Verbindung zu diesem Chakra, zu unserer Erdung, früh gestört wird, dann hat das Auswirkungen auf unser ganzes Leben. Wer mein Buch ‘Meeting Shiva’ gelesen hat, wird wissen, dass meine Verbindung zu diesem Erdenleben schon früh gestört wurde. Um ein Haar wurde ich eine Fehlgeburt; dann erkrankte ich im Alter von sechs Wochen an einer lebensgefährlichen Krankheit und musste für drei Wochen ins Krankenhaus; und später kamen viele Unfälle hinzu, bei denen ich um ein Haar ums Leben gekommen wäre. Diese hörten auf, als ich ungefähr sieben Jahre alt war. Und zu diesem Zeitpunk war mein Vertrauen ins Leben und der damit verbundenen Erdung schon stark beschädigt.

Da ich gerne tief forsche, was denn nun wirklich meine Motive sind, und wo sie eigentlich herkommen, war dieses Statement im Hinblick auf mein vieles Reisen und meine Heimkehr nach Deutschland äusserst faszinierend für mich.

Meist ist es nämlich so, dass wir uns gar nicht frei entscheiden. Der freie Wille ist eine Illusion, bis wir wirklich frei sind. Und das heisst: frei von unseren Konditionierungen, Identifizierungen, und von unseren Samskaras – alten Impressionen in unserer DNA, die auch zum grossen Teil von unseren Vorfahren und dem kollektiven Bewusstsein einer Nation kommen.

Wenn man also nun von außen auf mein langes Nomadenleben und mein frühzeitiges Verlassen von Deutschland zurückblickt, dann könnte man erstmal sagen: es handelt sich hierbei um eine abenteuerlustige, eigenwillige und unabhängige Person, die gerne reist und ein unkonventionelles Leben führt. Was in gewissem Sinne ja auch stimmt. Aber wieso ist das so? War es wirklich meine freie Wahl, das zu tun?

Rückblickend würde ich sagen: Nein. War es nicht. Da war etwas, das mich antrieb. Ein starker Drang, Deutschland zu verlassen, den ich schon hatte, als ich noch ein Kind war. Ich fühlte mich nie Deutsch, oder Italienisch, oder sonst einer Nationalität zugehörig. Aber ich wusste schon früh, dass ich nach England ziehen wollte, weil ich dort hingehörte. Es hatte keine rationale Basis – wie auch? Aber ich hörte der inneren Stimme einfach zu und ging.

Später, gegen Ende 20, packte mich das Reisefieber immer wieder, und ich wusste, dass ich in die Welt hinaus musste, weil es da draussen etwas für mich zu finden gab. Ich hatte eine gutgehende Firma, einen Job, der mir Spass machte, eine tolle Community. Aber ich musste gehen. War das mein freier Wille? Ja, und Nein. Ja, weil ich mich dafür entschied, diesem Drang und dem Ruf meiner Seele zu folgen. Und Nein, weil dieser Drang ja da war und mir eigentlich keine Wahl liess. Nur, wo kam der Drang her?

Ich hatte schon immer Schwierigkeiten, lange an einem Platz zu bleiben. Es zog mich immer raus, immer weiter, und das traf auch auf andere Situation zu: Jobs. Beziehungen. Ich machte das alles mal ein paar Monate oder auch ein paar Jahre mit, aber dann musste es wieder eine Veränderung geben, auch wenn eigentlich alles gut lief.

Ich möchte das jetzt nicht pathologisieren, denn all dies hat sehr viel zu meiner Entwicklung beigetragen, und mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Und es war und bleibt wunderschön und spannend, und ich würde es auch gar nicht anders wollen.

Aber ich sehe auch, was es mit meinem Wurzelchakra-Thema zu tun hat. Durch diese schwierigen Erfahrungen, die ich schon so früh machte, setzte sich eine innere Unruhe in meinem System fest, die sich erst jetzt langsam löst und heilt. Dadurch, dass ich nach Deutschland zurückgekehrt bin – was auf gewisse Weise wieder nicht mein ‘freier Wille’ war, denn ich folgte wie immer der inneren Stimme, die mir sagte, das müsse jetzt geschehen – kehren auf einmal verlorene Puzzlestücke in mein Bewusstsein wieder.

Oft handelt es sich hierbei um Themen wie den Krieg und den Holocaust, den meine Vorfahren erlebt haben, und mir epigenetisch vererbt haben. Ich sehe auf einmal, dass ich mich unbewusst mein ganzes Leben lang dafür geschämt habe, Deutsch  zu sein, und dass diese Scham und Schuld  noch ganz tief im kollektiven Bewusstseinsfeld dieses Landes stecken. Ich sehe, dass viele Entscheidungen, die ich instinktiv getroffen habe, eigentlich von den unverarbeiteten Gefühlen meiner Vorfahren und von meiner eigenen Traumata im Kindesalter gesteuert wurden.

Ich finde diese Erkenntnisse ungemein befreiend. Denn wenn wir uns über etwas bewusst sind, können wir es heilen und loslassen. Unsere Entscheidungen werden freier, wenn wir unsere unbewussten Beweggründe verstehen. Mit jedem dieser Aha!-Momente verschwindet eine andere Impression, und alles wird leichter. Und dann ist es an der  Zeit, wirklich frei zu werden.

 

 

 

 

 

 

 

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