Wie das kollektive Feld uns beeinflusst (und wie wir trotzdem zentriert bleiben können)

gurukulam

Eine Sache, die mir immer wieder auffällt, seit ich nach Deutschland zurückgekehrt bin, ist die Kraft des morphogenetischen Felds. Bei diesem Feld handelt es sich um eine Art allumfassendes Bewusstseinsfeld, aus dem umfangreiche Informationen aufgenommen werden können, und das uns daher auch beeinflusst. In Indien zum Beispiel ist das spirituelle Feld sehr stark, weil sich dort unzählige Menschen seit tausenden von Jahren mit intensiven, spirituellen Praktiken beschäftigen. Dies hat wiederum eine sehr fördernde Wirkung auf spirituelle Schüler, die aus genau diesem Grund immer wieder nach Indien reisen, um sich mit dieser Energie ‘aufzuladen’.

Wie schon in anderen Artikeln erwähnt, spüre ich in Deutschland immer wieder, wie  stark das Kriegstrauma oder auch die Hexenverbrennungen im Mittelalter noch im hiesigen Feld verwurzelt sind und die Menschen unbewusst beeinflussen. Diese Verbundenheit mit dem Feld ist an sich nichts Schlechtes, denn wir müssen als Lebewesen natürlich auf unsere Umwelt reagieren können – aber es ist auch gut, wenn wir uns darüber bewusst werden und verstehen, ob diese Verbundenheit uns fördert oder schadet.

Was mir hier nun nach meinen Jahren in Indien besonders auffällt, ist  der spirituelle Konsum. Im Westen wird Spiritualität zum grossen Teil als Ware vermarktet und verkauft, und es ist schwierig, als Yogalehrerin nicht in diese Falle zu tappen. Wo man auch hinsieht, herrscht ein Überfluss an Seminaren, Workshops, Kursen, Ausbildungen, Coachings und Heilungen. Der spirituelle Markt ist riesig. An sich ist da nicht Schlimmes dran – es ist ja eigentlich gut, dass immer mehr Menschen aufwachen und bewusst werden. Es wird allerdings schlimm, wenn diese Sachen nur – wie vieles andere auch – konsumiert werden, und wenn der Broterwerb durch die Spiritualität die Hauptmotivation ist, bzw wenn man mit der Spiritualität Geld verdienen muss. Dann werden vielleicht viele Dinge gemacht oder gar erfunden, die gar nicht nötig wären und/oder keine Integrität haben. Brenzlig wird es auch, wenn die spirituelle Arbeit dazu dient, uns selbst in Szene zu setzen.

Selbst in Indien wird diese Konsum-Mentalität immer stärker, obwohl man da auch wirklich noch viele spirituelle Lehrer findet, die zurückgezogen leben, ihre Praktiken machen und ihre Weisheit aus freiem Herzen mit anderen teilen – egal, ob sie dafür entlohnt werden oder nicht.

Ich denke, diese Mentalität hat viel mit Angst vor Mangel zu tun, und letztendlich mit mangelndem Vertrauen in das Leben. Das ist eigentlich auch menschlich und verständlich. Aber gerade in der spirituellen Praxis geht es ja genau um das Vertrauen in das Universum und die Hingabe an das, was ist. Ist es nicht eins der spirituellen Gesetze, dass man zurückbekommt, was man austeilt,  ob man es nun einfordert oder nicht?

Wer mich in dieser Hinsicht sehr inspiriert, sind die Lehrer der Himalayan Tradition. Dort ist es generell so, dass Geld für Kosten, wie z.B. Raummiete, Unterkunft, Mahlzeiten, genommen, aber das spirituelle Wissen auf Spendenbasis vermittelt wird. So wird niemand ausgeschlossen,  nur weil er kein Geld hat. Einige spirituelle Lehrer, so z.B. Jim Tolles, arbeiten auch auf ‘suggested donation basis’ (eine Art Richtpreis, der aber nicht bindend ist), oder sogar gänzlich auf Spendenbasis. Ich denke, da gibt es viele kreative Wege, um materielle Bedürfnisse mit spirituellen Lehren zu verbinden.

Dies ist auch das Konzept des Karma Yoga, das Yoga des ‘selbstlosen Dienens’, das Krishna in der Bhagavad Gita beschreibt. Meines Empfinden nach geht es hierbei einfach darum, das zu tun, was wir tun ‘müssen’ – ohne dafür etwas zu erwarten. Wenn es sein soll, wird sich der Erfolg oder der Reichtum (wie man ihn auch auslegen mag), schon von selbst einstellen, ohne, dass man grosse Marketingstrategien anwenden muss. Es geht einfach um das Handeln, und nicht um das Resultat. Dies ist vielleicht kein einfacher Weg in einem Land, in dem viele von uns in einem engen finanziellen Korsett stecken, aber ich finde, man kann dabei ein Gleichgewicht finden.

Dass das morphogenetische Feld uns auch hier beeinflusst, merke ich an der Gegenbewegung – dass immer mehr Leute aus dem Konsumwahnsinn aussteigen und ein einfacheres Leben wählen. Und ich glaube, das ist genau der Punkt: wenn wir uns darüber bewusst werden, was uns motiviert und ob es wirklich unsere Ängste sind, oder einfach die kollektiven Ängste im weiteren Feld – dann können wir das auch ändern und bewusst einen anderen Weg wählen.

 

 

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