Vom Ich zum Wir: Yoga für alle

Rote-Blumen-GV

Zurück zum Thema des Yoga auf Spendenbasis. Inzwischen ist es zwei Monate her, seitdem  ich mich entschieden habe, meine Arbeit ohne Festpreis bzw. auf Spendenbasis anzubieten (mehr zum Thema hier). Passend dazu schickte eine Freundin mir kürzlich den Link eines neuen Yogastudios in Offenbach, das genau das gleiche tut. Der Yogaladen Offenbach operiert nach dem Motto ‘Zahl, was du kannst’.

“Der Gedanke der uns zusammengebracht hat, war der, dass Yoga in Frankfurt mittlerweile eine schon fast elitäre Angelegenheit geworden ist.”, erzählte eine der Begründerinnen. Deswegen sollen beim Yogaladen in Offenbach Anfänger wie Fortgeschrittene willkommen sein –  zu variablen Preisen.

Ich finde es klasse, dass es immer mehr Leute gibt, die einen anderen Weg einschlagen und Dinge ausprobieren, die nicht in die vorgegebene Struktur passen. Dies zeugt von einer Veränderung im kollektiven Feld, von einer Bewegung vom Ich zum Wir. Und es zeigt, dass Leute darauf vertrauen, dass das Universum für uns sorgt, wenn wir unserem Herzen folgen.

Weiterhin landete ein spannendes Buch names ‘Mein Leben ohne Geld’ von Heidemarie Schwermer bei mir. 1996 entschied sich die Autorin, ihre Möbel zu verschenken, ihre Wohnung und ihre Praxis als Psychotherapeutin aufzugeben sowie ihre Krankenversicherung zu kündigen. Sie wohnte dann in Häusern und Wohnungen von Menschen, die auf Reisen waren, und ertauschte sich, was sie zum Leben brauchte, über den von ihr gegründeten Tauschring der Gib-und-Nimm-Zentrale in Dortmund. Das Buch beschreibt, wie sie Schritt für Schritt aus den bestehenden Strukturen ausgestiegen und in eine neue Freiheit hineingewachsen ist.

Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung mit dem Thema sagen, dass es wunderbar ist, was aus so einem Experiment alles entstehen kann. Wenn mein Fokus wirklich darauf liegt, was ich geben möchte, anstatt darauf, was ich haben will, dann bekommt alles eine andere Qualität. Was ich merke, ist, dass immer irgendwie genug da ist. Und dass, wie ich mir das schon gedacht habe, Geld aus ganz anderen, oft unverhofften Quellen zu mir fliesst – das heisst, nicht unbedingt von den Yoga-Schülern (aber auch). Wenn manche nicht viel geben können (oder wollen), gleicht es sich oft wieder dadurch aus, dass andere mehr geben, oder dass ich einen Auftrag bekomme, der mir viel bezahlt.

Diese Erfahrungen stärken mein Vertrauen und meine Hingabe ungemein. Ich übe, mich dem Leben hinzugeben, wie es ist, ohne ihm meine Konditionen aufzuzwingen. Zudem wächst dadurch in mir eine Bescheidenheit, die eigentlich noch nie meine Stärke war. In meinem früheren Leben aus Musikmanagerin war eigentlich immer ich die Person, die alles kontrollierte und die für ihre harte Verhandlungsweise bekannt war. Inzwischen lasse ich die meisten Dinge einfach fliessen und gewinne dadurch an innerer Freiheit und innerem Frieden. Ich lerne zu akzeptieren, was die Leute (und das Leben) mir freiwillig geben – und dass es immer genug ist.

Ist das immer einfach? Nein. Zweifel und Ängste kommen immer wieder mal hoch. Aber sie werden immer seltener. Manchmal ist es so, dass ich durch Workshops auf Spendenbasis durchaus weniger bekomme, als wie wenn ich einen Festpreis nehme. Aber dann frage ich mich gleichzeitig: wer bestimmt denn, was Yoga wert ist? Und ist dieser Wert nur finanziell messbar?

Dadurch, dass ich glaube, dass Yoga für alle Menschen erschwinglich sein sollte, und nicht nur für die, die sich Reisen nach Indien und exklusive Retreats leisten können, wächst auch ein anderes Verständnis in mir. Es gibt mir viel Freude, die Dankbarkeit von Menschen zu spüren, die in abgelegenen Dörfern wohnen, in denen es keine Yogastudios gibt. Oder die von älteren und kranken Menschen, deren Beschwerden sich durch Asanas und Meditation lindern. Ich glaube, genau an diese Orte haben mich meine Yoga-Jahre in Indien geführt, damit die heilende Wirkung der Praxis auch Menschen zuteil wird, die vielleicht noch nie etwas von Yoga gehört haben.

Geplant habe ich nichts von alledem, aber das ist ja nichts Neues 🙂

 

 

 

 

 

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